Araber greifen nach dem Grand Hotel

palmes extPalermo (gro)  Richard Wagner hat dort kurz vor Weihnachten 1881  seinen „Parsival“, sein letztes musikdramatisches Grosswerk, zu Ende komponiert, Stars und Sternchen hat das luxuriöse Haus ebenso beherbergt wie Generäle und Politiker, und 1957 gab es dort die mythenumwobene Mafia-Konferenz der Cosa Nostra mit den Capi aus New York und Palermo, bei der die internationalen Märkte für den illegalen Handel mit Drogen aufgeteilt wurden. Es geht ums Grand Hotel et des Palmes in der via Roma im Zentrum von Palermo. Zuerst hiess es, es werde geschlossen, inzwischen spricht man davon, dass arabische Investoren am Grand Hotel interessiert sind. Zur Zeit lockt das Haus mit Schnäppchenpreisen für Sizilienreisende.

„Rettet mein Hotel delle Palme“

In der Lokalausgabe der „Repubblica“ wurde nun ein herzzerreissender Brief von Toti Librizzi, dem früheren Bar-Mann des des Palmes veröffentlicht. Librizzi ist längt in Pension, aber die schockierenden Nachrichten über „sein Hotel delle Palme“ treibt den Mann, der 40 Jahre lang die Gäste in der Bar der luxuriösen Herberge betreute und mit raffinierten Cocktails beglückte,  buchstäblich auf die Strasse. „Er macht halb Palermo verrückt“, sagen seine Freunde und Bekannten, und davon hat er jede Menge. Librizzis flehentlicher Kampfesruf lautet: „Rettet mein Hotel delle Palme!“

Eine Institution der Inselmetropole

palmes_HALLDas im „Romanischen Stil“ von Architekt Ernesto Basile erbaute Grand Hotel in der via Roma Nr. 398 ist eine Institution. Das luxuriöse Haus, das 1874 eröffnete, hat ein Gästebuch, in das sich nicht nur Mafiosi und Politiker, sondern auch weltberühmte Künstler wie die Maler Renato Guttuso oder Giorgio de Chrico, der Filmemacher Peppuccio Tornatore („Cinema Paradiso“) oder Schauspieler wie Ben Gazzara, Vittorio Gassmann, al Pacino oder Richard Burton vereweigt haben, sondern auch Persönlichkeiten wie der Philosoph und Dichter Umberto Eco, Theaterleute wie Dario Fo oder Musiker wie Astor Piazolla, der in seinem Eintrag darauf hinwies, dass er in seiner argentinischen Heimat, in Buenos Aires, im „Stadtviertel Palermo“ zu Hause sei. Die meisten davon hat Toti Librizzi während seiner 40-jährigen „Amtszeit“ als Barmann bedient und versorgt.

Römische Investorengesellschaft

Das Grandhotel gehört einer römischen Investorengesellschaft namens Acqua Marcia. Die besitzt in Palermo zwei weitere Luxushotels: das Hotel Villa Igea, das vom Hilton-Konzern betrieben wird und das    „Excelsior“. In Taormina gehört der römischen Gruppe das vielleicht schönste Hotel der Welt, das San Domenico, in Catania ein weiteres „Excelsior“ und in Syrakus das „Hotel des Etrangeres“. Es handelt sich durchweg um Häuser, die mit hohem Personalaufwand betrieben werden. Doch das soll sich ändern. Jetzt stehen Modernisierungen und personelle Reduzierungen an. Und hernach will die Investorengruppe Cash machen. Mit arabischen Fonds werde bereits verhandelt.

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