Das „Arabische Zimmer“  kehrt zurück

MoscheaPalermo/Milano (gro) Die palermitanische „Camera delle Meraviglie“ (das „Zimmer der Wunder“) hat die Weltausstellung in Mailand (Expo Milano), die am kommenden Wochenende, zum 31. Oktober,  nach 6 Monaten Dauer schliesst,  gut überstanden. Natürlich ist es nicht das „Zimmer“ selber gewesen, das einen Ausflug in den italienischen Norden gemacht hat,  sondern vielmehr eine  Video-Dokumentation über das vor zwei Jahren in einem Palazzo des historischen Zentrums von Palermo entdeckte Kleinod, bestehend aus einem hohen quadratischen Raum, dessen Decke und Wände  auf blauem Grund mit teilweise goldenen kaligraphischen Elementen und anderem Zierart des arabischen Kulturkreises geschmückt sind.  In der Hauptstadt Siziliens freut man sich auf die Heimkehr des Videos, das demnächst auch in den Räumen der RAI,  entsprechend der deutschen ARD, über die Leinwand flimmern wird. Denn dort, in Palermo, war die Dokumentation, die zum Eröffnungstermin der Mailänder Expo im Mai  buchstäblich in letzter Minute fertig wurde, bisher noch gar nicht zu sehen.

Viele Jahrzehnte mit Gerümpel zugestellt

Das orientalische „Zimmer der Wunder“ diente während der  letzten  Jahrhunderte vor allem als Rumpelkammer. Entdeckt haben den kunsthistorischen Schatz Valeria Giarruso und Giuseppe Cadili, die heutigen Eigentümer des Palazzo in der via Porta di Castro, nur einen Steinwurf entfernt vom Palazzo Reale, dem Königlichen Palast, den Roger I. vor über 1000 Jahren auf den Grundfesten  der Residenz des früheren Emirs von Palermo errichten liess.  Roger gehörte zu einer von den Wickingern abstammenden Söldnertruppe aus der Normandie, die, obwohl christlichen Glaubens und dem Papst verpflichtet,  den arabischen Herrschern  Ende des vorvergangenen Jahrtausends zwar die Insel  Sizilien abnahmen,  das arabische Volk aber nicht fortjagten und auch dessen Zugehörigkeit zum Islam  respektierten.

Stauferkaiser Friedrich II. als  Meister der Integration

Der Staufer Friedrich II.,  der das Inselreich und weite Teile Süditaliens  zu Beginn des 13. Jahrhunderts  von den Normannen  als Kind unter der Vormundschaft des Papstes erbte,   entwickelte sich als  König von Sizilien und als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, zu dem er als 24-jähriger Jüngling gekrönt wurde, zum ersten „modernen“  Staatsmann und zu einem Meister der Integration.  Friedrich, Sohn von Kaiser Barbarossa, wurde in Palermo geboren, wuchs dort auf und sprach neben Deutsch fliessend Arabisch. Lateinisch-Italienisch  und Griechisch. Entsprechend international war sein Hofstaat aus Militärs, Dichtern und anderen Künstlern, aus Baumeistern,  Medizinern, Philosophen, Astrologen  und anderen Wissenschaftlern.

Der Bannfluch des Papstes

Seine Toleranz und seine Zusammenarbeit mit  „Ungläubigen“ und „Falschgläubigen“,   mit Muslimen, Sarazenen, Juden und  Byzantinern (griechisch-orthodoxen, oströmischen Christen),  brachten Friedrich II. schliesslich den Bannfluch des Papstes ein. Auch deswegen, weil Friedrich, Kaiser und König,  immer wieder den versprochenen Kreuzzug  ins Gelobte Land hinausschob. Und weil  er, Friedrich, seinen Kreuzzug, den sechsten, den er schliesslich doch noch auf sich nahm,  durch  sein diplomatisches Geschick ohne Blutvergiessen erfolgreich über die Weltbühne brachte.

 Arabien ist und bleibt in der Nachbarschaft

Immerhin ist  Friedrich trotz der Exkommunikation, die ihn wenig scherte,  auch „König von Jerusalem“ geworden. Er hätte seine helle Freunde daran, dass mit der „Camera delle Meraviglie“ mitten in der Altstadt von Palermo  ein hocharabisches Zeugnis aus vergangenen Zeiten aufgetaucht und sorgsam renoviert worden ist. Mit dem neu entstandenen Video, das demnächst in Palermo auch bei „GlassArt“ gezeigt wird, kommt die Bevölkerung in den Genuss einer  Errungenschaft, die ein Stück glorreicher palermitanischer Vergangenheit feiert. Nebenher freut sich darüber auch die  Tourismusbehörde. Und nicht vergessen sollte werden, dass Sizilien auch heute weit über die Hälfte seines Aussenhandels mit den arabischen Ländern Nordafrikas abwickelt.

Kulturschätze aus 3 Jahrtausenden

Feriengäste aus aller Welt  kommen nicht zuletzt deshalb nach Sizilien, um sich an den Zeugnissen vergangener Kulturen zu ergötzen. Die grösste Insel des Mittelmeeres, etwa so gross wie Bayern, hat schliesslich nicht nur wilde Landschaften, ein höchst angenehmes Klima, herrliche Strände, jede Menge Ferienhäuser und andere Urlaubsquartiere zu bieten. Mindestens ebenso reich gesegnet ist Sizilien, die Insel im Schnittpunkt von Orient und Abendland,  mit gut erhaltenen Kulturschätzen aus über 3000 Jahren.

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