Der Mann, der die Mafia besiegt hat

Leoluca Orlando

Palermo (gro) Die Cosa Nostra hat einen Ministerpräsidenten und etliche Staatsanwälte ermordet, die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, den Kommunistenführer Pio La Torre und Carabiniere-General Alberto Dalla Chiesa, um einige der prominentesten Opfer der sizilanischen Mafia zu nennen. Auch Leoluca Orlando (Bild: Prof. Andreas Fritsch/Wikipedia)  stand auf der Abschussliste der sizilianischen Mafia. Das konnte Orlando nicht daran hindern,  Palermo in den vergangenen  Jahrzehnten grundlegend zu verändern. Leoluca  Orlando, der inzwischen erneut ins Amtes des Stadtoberhaupts gewählt wurde, muss zwar weiter um sein Leben fürchten. Doch es besteht kein Zweifel, dass dieser Mann die Mafia entscheidend geschwächt hat.

Später ins Europa-Parlament

Während seiner ersten, insgesamt 15 Jahre dauernden  Amtszeit als Bürgermeister Palermos von 1985 bis zum Jahr 2000 schmiedete Orlando zunächst als Exponent der Democrazia Cristiana ein Allparteienbündnis. Später gründete er die Antimafia-Partei La Rete (Das Netz) und stärkte die grün-soziale Bewegung seiner Heimatstadt. Er erreichte, dass sich die Bürger ihre Stadt gewissermassen zurück eroberten. Später sass  Orlando als Vertreter von Antonio Di Pietros „Partei der Werte“ im Europa-Parlament.

Schulkinder als stolze Fremdenführer

Während Orlandos Amtszeit als Stadtoberhaupt wurden in Palermo Kirchen und Palazzi, die seit Jahrzehnten, teilweise seit über 100 Jahren, nicht mehr zugänglich waren, wieder eröffnet. Schulkinder veranstalten seither regelmässig voller Stolz Führungen für Einheimische und Touristen – Teil eines umfassenden Programms zur Rückeroberung des historischen Zentrums, das zu Beginn der 80-er Jahre zu zerfallen drohte. Dank Orlando wurde ein grosses Sanierungsprogramm mit Mitteln der Europäischen Union gestartet. Vor 20 Jahren ausgestorben und düster wirkende Viertel sind inzwischen von neuem Leben erfüllt. Wo sich noch vor wenigen Jahren auch Einheimische kaum hinwagten, erblüht eine neue Szene mit einfallsreicher Gastronomie und witzigen Kneipen.

Pervertierung segensreicher Eigenschaften

Die Mafia, sagt Orlando, pervertiere an sich segensreiche Errungenschaften und Haltungen wie Stolz, Freundschaft, Traditionsbewusstsein oder Mut, indem sie diese Tugenden für ihre Zwecke gewalttätig missbrauche. Weil sich die Wertvorstellungen geändert hätten, habe sich auch die Mafia geändert. Inzwischen verfolge die Mafia ihre Interessen, indem sie Erstrebenswertes wie Freiheit, Sicherheit oder Reichtum usurpiere. Und noch eine Änderung habe stattgefunden: „Die alte Mafia war sizilianisch, die neue Mafia ist europäisch, zum Teil weltweit organisiert.“

„Perfekte Legalität gibt es nicht“

Wer gegen organisiertes Verbrechen und Korruption angehen will, muss laut Orlando extreme Haltungen vermeiden. Perfekte Legalität gebe es nicht, perfekte Legalität arte zwangsläufig aus in Repression. Zu vermeiden sei ferner das Klischee, die kritiklos vorgefasste Meinung. Und unbedingt nötig sei der persönliche Mut, die Zivilcourage, das Einstehen für seine Überzeugung.

2 Gedanken zu „Der Mann, der die Mafia besiegt hat

  1. Orlando, einer der ganz Großen in der italienischen Politik. Vor Jahren warnte er davor, dass man in Deutschland vor der Mafia die Augen nicht verschließen solle, denn auch bei uns habe sie schon lange Fuß gefasst.

  2. Den letzten Satz des Artikels sollten wir uns hierzulande mal vor Augen halten: Einstehen für Überzeugungen. Das ist was uns sehr oft fehlt. Weiter so, Herr Orlando!

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