Der wunderbare Garten an der via Lincoln

orto di palermoPalermo (gro) Jetzt beginnt auf Sizilien die wahrscheinlich schönste Zeit des Jahres. Es blüht und spriesst mit Macht.  Als wollte die Insel ihre Vitalität hinausposaunen in eine zu unrecht bekümmerte Welt. „Seht her, wie schön doch die Natur ist mit ihrer prachtvollen Vielfalt“, ruft es auf Wiesen, in Wäldern, am Meer und in den Bergen der Insel. Und selbst an salzverkrusteten  Meeresstränden entwickeln sich leuchtende Blumenteppiche.  Nirgendwo sonst im Mittelmeerraum gibt es eine derartige Vielzahl an Pflanzen wie auf Sizilien. Und diese Vielfalt offenbart am schönsten der Botanische Garten von Palermo.  Mehr als 3000 Gewächse  aller Arten sind auf der Insel zu Hause. Viele führen ein verborgenes Dasein in wohltemperierten Nischen an den Hängen des Ätnas und im gebirgigen Inland, andere sorgen  an Sandstränden für lebhafte Farbigkeit, wie etwa die silbrig-blaue Stranddistel, die vor allem im Süden Siziliens glitzert und leuchtet. Wer im späteren Frühjahr durchs Innland reist, versteht nach einer Fahrt durch schier endlose Weizen- und Roggenfelder, warum Sizilien einst zur Kornkammer des römischen Reiches emporstieg. mitten darin, unterhalb von Caltanisetta, jener See, den Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit, einst als Einstieg in unsere Welt genutzt haben soll.

Wo Johann Wolfgang von Goethe nach dem  Ur-Blatt fahndete

Deutschlands berühmtester Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, der auch Naturwissenschaftler war,  suchte im 18. Jahrhundert auf Sizilien,  im damals gerade eröffneten  Botanischen Garten von Palermo,  nach der Ur-Pflanze, dem Ur-Blatt. Er hielt zahlreiche botanische Funde zeichnerisch fest.  In Taormina glaubte Goethe sogar, das wahrhaftige Arkadien gefunden zu haben. Im Übrigen, so hielt er in seiner zweibändigen „Italienischen Reise“ fest, könne Italien nur der verstehen, „der auch Sizilien kennen gelernt hat“.

Forschungsanlage der Universität 

Der Botanische Garten von Palermo an der via Lincoln, die vom Hauptbahnhof  hinab zum Hafengebiet führt,  liegt unweit der Promenade am Meeresufer im Osten des des alten arabischen Stadtteils Kalsa. Der „Orto Botanico“ ist mit Recht einer der Publikumsmagneten der Inselmetropole. Die Gartenanlage mit ihrem neoklassizistischen Eingangsgebäude wurde 1786 eröffnet.  Sie ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts erweitert worden.  Mit seinen Palmen-Alleen, Aquarien, Gärten, Brunnen. Lagunen, Treibhäusern und fantastischen Gummibäumen (Bild) hat der Orto Botanico di Palermo heute eine Ausdehnung von etwa 10 Hektaren. Der Botanische Garten wird als Lehr- und Forschungsanlage von der Universität Palermo genutzt und betreut. Zu der Anlage gehört  ein „Herbarium mediterraneum“ mit 6000 Quadratmetern und seit 1993 auch eine Gen-Datenbank zur Sicherung der regionalen Pflanzenwelt.

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