Erschossenen Mafiaboss ganz still beerdigt

Omicidio Dainotti via D'Ossuna Zisa-2Palermo (gro) Giuseppe Dainotti, 67, ein ehemaliger Boss der Cosa Nostra, der auf offener Strasse erschossen worden ist, wurde in Palermo in aller Stille beerdigt. Palermos Polizeichef Renato Cortese hatte eine öffentliche Trauerfeier mit Umzug vorsorglich verboten. Den Behörden macht bis heute zu schaffen, dass es vor drei Jahren bei der Beerdigung eines gewissen Giuseppe di Giacomo zu einem üppig mit Blumenschmuck und schweren schwarzen Karossen bestückten Spektakel im Südwesten des Stadtzentrums mit tausenden Schaulustigen und dubiosen Sympathiebezeugungen gekommen war. Die filmreife Schau brachte Palermo negative Schlagzeilen in ganz Italien ein.

Wo die einstige Sommerresidenz der Normannen steht

 Di Giacomo war,  soviel man weiss, 2014 eines natürlichen Todes gestorben. Er galt als Boss des Quartiers La Zisa, benannt nach einem von arabischen Baumeistern auf Geheiss der damals auf Sizilien herrschenden Normannen im 12. Jahrhundert erbauten Sommerresidenz der „Nordmänner“. Im Quartier La Zisa, in dem sich ein Kulturzentrum für Islamische Kunst und das Goethe-Institut befindet, wohnte bis zu seiner Ermordung auch Giuseppe Dainotti. Beide, Di Giacomo wie Dainotti, gehörten zum Cosa-Nostra-Clan Porta Nuova, bezeichnet nach dem einst wichtigsten Stadttor Palermos an der nordwestlichen Ecke des Königspalastes (palazzo reale), in dem heute das Regionalparlament Siziliens seinen Sitz hat.

Mit „Lebenslänglich“ auf freiem Fuss

 Es war heute vor einer Woche, dass Giuseppe Dainotti in der via D’Ossuna (Bild oben)  durch mehrere Pistolenschüsse niedergestreckt wurde. Dainotti war mit seinem neuen Fahrrad nicht weit von seiner Wohnung unterwegs, wo er mit seiner 44-jährigen Frau nach der vorzeitigen  Haftentlassung  wohnte. Dainotti war zwar wegen Mordes und Raubüberfalls zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt gewesen, kam aber nach einer Beschwerde und einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof nach 30 Jahren frei.

Vermutlich war es ein Racheakt

 In Palermo wird nun spekuliert, dass sich Dainotti seine vorzeitige Freilassung auch dadurch verschafft hat, dass er gegenüber den in Sizilien besonders gefürchteten Antimafiaspezialisten „gesungen“ hat. Die Ermordung auf offener Strasse durch zwei junge  Männer, die von einem Motorrad aus auf ihn schossen, dürfte dann ein klassischer, bestrafender Racheakt gewesen sein.

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