Flüchtlinge wollen in den Norden

  • 20051228 - IMMIGRAZIONE, CONSULTA BOCCIA ALTRA NORMA DELLA BOSSI-FINI - Un barcone di immigrati nelle acque dell'isola di Lampedusa (Agrigento) in un'immagine d'archivio del 22 giugno scorso. FRANCO LANNINO/ARCHIVIO ANSA/ji
  • Pozallo (gro) Die Flüchtlinge aus Afrika, aus dem Nahen und  Mittleren Osten, die im Süden Italiens, meistens in Sizilien, anlanden,  wollen so schnell wie möglich weiter kommen in die nördlicheren Gefilde Europas.  Das ist einer der Gründe, warum man in Mailand und Rom mehr Flüchtlinge trifft und sieht als in Kalabrien oder Sizilien, im äussersten Süden des Landes.  Hinzu kommt, dass in den Brennpunkten der Flüchtlingsankünfte, auf Lampedusa, in Pozallo, in Augusta und Palermo (alle in Sizilien) eingespielte Teams und Organisatoren für Ordnung und umgehende Weitertransporte sorgen.
  • Hunderte Schlepper festgenommen
  • Von der  Effizienz  im Umgang mit dem anhaltenden Ansturm von Flüchtlingen zeugt  ferner die Tatsache, dass die italienische Bundespolizei. dIe paramilitärisch organisierte Truppe der Carabiniere, seit Beginn des Jahres in den Reihen der  mehr als  100.000 Flüchtlinge  über 200 Schlepper ermittelt und festgenommen hat, zuletzt, am Dienstag, 25. Oktober, den 21-jährigen Ägypter Mahmoud Abd Al Hamid und den 45 Jahre alten Sudanesen El Sadik Mohamed.  Sie befehligten und steuerten, wie die Carabiniere berichten, einen Seelenverkäufer, von dem ein Schiff der Irischen Marine Namens „Samuel Beckett“  zwischen  Libyen und Lampedusa 650 in Seenot befindliche Menschen aufgenommen hatte.
  • Italien „fühlt sich im Stich gelassen“
  • Matteo Renzi, der Ministerpräsident Italiens, hat in diesen Tagen erneut sein Bedauern darüber ausgesprochen,  dass sich sein Land in der Flüchtlinsfrage „von  der Europäischen Union im Stich gelassen“ fühle. Und in der Tat trägt Italien eine Hauptlast in dieser Frage. Während sich die Volksmeinung gegenüber der so genannten Flüchtlingsfrage dank verstopfter Grenzen beruhigt hat, ist der Zustrom nach Italien ungebrochen.
  • Rassismus ist in Süditalien „unnatürlich“
  • In Sizilien, wo man Rassismus als „etwas Unnatürliches“ empfindet,  herrschten bis vor 160 Jahren die spanischen Bourbonen, zuvor hatten Habsburger, Franzosen des Hauses Anjou, Staufer, Normannen, Araber, Römer, Karthager, Griechen und Phönizier den Ton auf der grössten Insel des Mittelmeeres anzugeben versucht. Sizilien, und das sieht und fühlt man den Menschen dort tagtäglich an, ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Völker; ein Schmelztiegel, der vergangenes Jahr, Ende 2015,  wegen seiner ganz speziellen arabisch/byzantinisch/normannischen Architektur und Kultur als hochschützenswertes Welterbe unter den Schirm der UNESCO gestellt worden ist. Wobei nicht übersehen werden sollte, dass es von Sizilien aus zu einer ersten, ausserordentlich fruchtbaren Islamisierung des Abendlandes kam. Gaby Imhof-Weber hat diese bedeutsame Epoche in einem sehr sehenswerten Dokumentarfilm aufgearbeitet.

 

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