Glückliche Hunde an Siziliens Stränden

aylaPalermo/Agrigent/Syrakus (gro) Wenn die Badesaison zu Ende geht, hat endlich auch der Hund seinen Spass am Strand. Im Sommer ist es in Sizilien für die Vierbeiner meist einfach zu heiss. Kein Wunder, dass sich da die einheimischen Hunde tagsüber in schattigen Ecken verstecken. An vielen Stränden haben die vierbeinigen Freunde, und zwar weder einheimische noch ausländische,  während der Saison ausser vor und nach Sonnenuntergang wenig zu suchen. Doch immer mehr Kommunen auf der Insel Sizilien entdecken ihr Herz für Hunde und Hundehalter(innen). Und an einigen Stränden sind die Vierbeiner auch  im Sommer ausdrücklich willkommen, und zwar nicht nur am frühen Morgen oder spätabends, wenn die Strände leer sind, sondern den ganzen langen Sommertag.

Gebettelt wird mit zurückhaltender Würde

In Palermo, der Inselhauptstadt, leben schätzungsweise 10.000 herrenlose Hunde. Sie ziehen meist alleine und dabei seelenruhig durch ihr Viertel, das sie sich gewöhnlich mit etwa  einem Dutzend Artgenossen teilen. Die fast immer mittelgrossen Tiere streifen naturgemäss am liebsten an den zahlreichen Freiluftrestaurants vorbei, betteln aber nie aggressiv, sondern, wenn sie sich zum Schnorren herablassen,  mit zurückhaltender Würde. Denn sie wissen, dass sie am Ende des Tages ja doch alles Nötige aus den zuletzt verbliebenen Resten der Kneipen und Restaurants bekommen. Die Hunde werden deshalb auch nur selten davongejagt, umso weniger, als sie in den Nachtstunden an ihrem jeweiligen Lieblingslokal auch gewisse Wächterfunktionen übernehmen.

Den eigenen Hund an der Leine halten

Für Hunde, beziehungsweise Hundehalter, gilt in Italien Maulkorb- und Anleinpflicht. Doch abgesehen davon, dass sich frei lebende Hunde selber so etwas nicht anlegen: Maulkörbe sieht man so gut wie nie, man sollte aber für den Fall eines Falles, also um gebührenpflichtigen Verwarnungen zu entgehen, einen einfachen Maulkorb stets wenigstens dabei haben. An der Leine führen sollte man seinen Hund in der Stadt immer. Anders sieht es aus an den Stränden. Da muss man den Hund manchmal einfach losstürmen lassen.

Wer seinen Hund liebt, verschafft ihm Schatten

Da ein Hund grundsätzlich dabei sein will, egal wohin sich Frauchen und Herrchen auch begeben, muss er auch im Sommer manchmal mit ins Ferienhaus oder in die Ferienwohnung  – und mit an den Strand, und sei es noch so heiss. Zugelassen sind die vierbeinigen Freunde aber so gut wie nie an bewirtschafteten Stränden. Man muss also fast immer ausweichen an freie Strandabschnitte – was bedeutet, dass man Sonnenschirm und andere Utensilien fürs Strandleben selber mitzubringen hat. Umso mehr, als nun gerade der Hund vor Hitze, Flugsand, Sonnenbrand und Augenschäden zu schützen ist. Und noch wichtiger als bei Spaziergängen in urbanen Revieren ist am Strand das Entsorgungsequipment für die Aufnahme eventueller Hinterlassenschaften des vierbeinigen Familienmitglieds.

Die riesengrosse Freude am Strand und im Wasser

Wer es seinem Hund am Strand gemütlich zu machen versteht, wird grösste Dankbarkeit ernten. Denn so gut wie alle bellenden Vierbeiner sind von Natur aus begeisterte Schwimmer und Wassersportfreunde, gerade im Meer und am Meer, wo es sich  in der Brandung  herrlich spielen und toben lässt.  Sizilianer erkennen es übrigens sehr schnell, wenn jemand  gut mit seinem Hund zurechtkommt, und die Chance, dass Frauchen, Herrchen, Kinder und Hund am Strand willkommen sind, ist dann gross.

Ein Verbot muss „qualifiziert“ sein

Jedes Jahr gibt es Klagen, nicht nur von Feriengästen, sondern häufiger noch von einheimischen Strandurlaubern, dass uniformierte Gemeindebeamte abkassieren, wenn Hunde mit an den Strand genommen werden. Man sollte sich (etwa im Rathaus) erkundigen, ob Hunde mit an den Strand dürfen. Ein allfälliges Verbot, bei dessen Übertretung bis zu 200 (!) Euro kassiert werden, muss „qualifiziert“ und  entweder vom Bürgermeister, einem dafür abgeordneten Assessore oder vom Capitano del Porto angeordnet und öffentlich angezeigt sein. Wer doch einmal in eine Verbotsfalle tappt, sollte deshalb nicht einfach zahlen, sondern sich erst einmal die Legitimation des Verbots zeigen lassen.

Mafia-Landsitz  wird  zum Asyl für herrenlose Hunde

Italien ist  ein hundefreundliches Land, und mit L‘AIDAA (der Associazione Italiana per la Difesa di Animali e Ambiente), dem Verband zur Verteidigung der Tiere und der Umwelt, hat das Land zwischen dem Afrikanischen Meer und den Alpen eine schlagkräftige Organisation, die sich wirkungsvoll  um das Schicksal der Hunde im Land kümmert. So hat es der sizilianische Ableger von L’AIDAA durchgesetzt, dass ein aus Mafia-Besitz beschlagnahmter Landsitz in Brancaccio, einem Vorort im Osten von Palermo, vor vier Jahren zu einem Asyl für herrenlose Hunde wurde, wo sie geimpft und anderweitig gesundheitlich versorgt werden. Ein ähnliches Projekt entstand im Parco della Favorita, einem riesigen Parkgelände im Westen der Inselmetropole, am Fusse des Monte Pellegrino, des Pilgerbergs  zwischen dem Zentrum Palermos und der Badevorstadt Mondello.

Ein Herz für Hunde – nicht nur in Castellammare del Golfo

Auch Kommunen entdecken, wie eingangs erwähnt, zunehmend ihr Herz für Hunde und Hundehalter. So haben Nicolò Coppola, der  Bürgermeister von Castellammare del Golfo, und Claudia Regginelli, seine für den Tourismus zuständige Stadträtin, verfügt, dass die vierbeinigen Freunde der Feriengäste an dem wunderschönen, 240 Meter langen Strandstück zwischen der Einmündung des Flüsschens San Bartolomeo und dem Familienstrand des Städtchens auch während der Badesaison stets willkommen sind. Kein Wunder, dass die malerische Kleinstadt in der Provinz Trapani mit ihrem alten Fischerhafen inzwischen bei Hundefreunden in ganz Westsizilien beliebt ist.

Feinste Wasserqualität an schwarzsandigen Stränden

Feinste  Wasserqualität erwartet Mensch und Hund auch auf der Insel Vulcano vor Milazzo, und zwar ohne jede Einschränkung: Sämtliche fast durchweg schwarzsandigen Strände der für ihre schwefelhaltigen Fumarolen berühmten Insel sind das ganze Jahr über auch für Hunde frei. Vulcano mit seinem 500 Meter hohen Vulkan ist vor allem bei Rheumakranken beliebt. Die warmen und heissen Schwefelschlämme in den natürlichen Gesundheitsbecken sorgen für nachhaltige Linderung. Nicht allzu weit von Vulcano und Milazzo, in Catania, der Metropole der sizilianischen Ostküste,  werden Hunde am Lido Azurro gerne gesehen, einem Stadtstrand in bester Lage.

Besser ausweichen auf die Halbinsel

Frei für Hund und Mensch ist 12 Kilometer nördlich von Syrakus auch der Strand von Proiolo Gargallo, regiert von Antonello Rizza, einem ausgesprochen umweltfreundlich gesinnten Bürgermeister. Als Hundestrand ausgewiesen ist lautmalerisch der Abschnitt Bau Bau, ein Strand in Ortsnähe.  Trotzdem empfiehlt es sich, bis auf die vorgelagerte Halbinsel Magnisi,  (das antike Thapos, Erläuterung auf Italienisch!) mit ihren langen feinen Sandstränden hinauszufahren (oder hinauszuwandern). Denn die ortsnahen Strände sind bei Westwind häufig umwabert von den Ausdünstungen grosser Raffinerien im nahen Hinterland.

 Zu Besuch bei Luigi Pirandello

Vierbeiner ausdrücklich willkommen heisst es auch an einem Strand im Süden von  von Palma di Montechiaro bei Agrigent, im Gemeindeteil Facciomare, wo in der Casa Malerba für Mensch und Hund praktischerweise auch gleich passende Pensionszimmer angeboten werden. Agrigent und das Tal der Tempel sind nicht weit entfernt, und für literarisch Interessierte bietet sich ein Besuch bei Luigi Pirandello an, einem der bedeutendsten Theaterschriftsteller Italiens, der 1867 in Caos bei Agrigent geboren wurde, wo sein Geburtshaus samt Arbeitszimmer zu besichtigen ist.  Pirandello erhielt 1934 den Literaturnobelpreis, bevor er zwei Jahre später in Rom das Zeitliche segnete.  Berühmt wurde Pirandello, der auch 7 Romane und zahlreiche Novellen schrieb, hierzulande auch durch manche Verfilmungen seiner meist ironisch bis grotesken Geschichten, die auch in deutschen Landen bis heute viel Vergnügen bereiten.

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