Der erste barfüssige Bürgermeister Siziliens

renato_accorintiMessina (gro) Der neue Bürgermeister von Messina geht gerne barfuss. Doch das nimmt ihm niemand krumm. Im Gegenteil, Renato Accorinti (auf Italienisch), 59,  ist ungewöhnlich beliebt beim Volk der 250.000-Einwohnerstadt am Stretto, der Meerenge zwischen Sizilien und der Stiefelspitze des italienischen Festlandes.

Der gelernte Sportlehrer wurde im Juni dieses Jahres zum ersten Mann im Rathaus gewählt.  Accorinti, streitbarer Pazifist und Gegner einer Brücke über den Stretto, gehört keiner Partei an, ist aber seit langem politisch aktiv, und zwar in Bürgerinitiativen.

„Macht interessiert mich nicht“

Macht interessiert den Messinesen „überhaupt nicht“. Politik, sagt Accorinti, sei Dienstleistung. Der Staat, die Verwaltung, müsse „für den Bürger da sein und nicht umgekehrt“. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde das kommunale Spitzenamt vor allem als Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung genutzt. Die Ehefrauen seiner beiden  Vorgänger sind seit  dem vergangen Juli wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder in Haft. Zu Accorintis ersten Amtshandlungen nach der Wahl am 24. Juni gehörte die Entfernung der Drehkreuze am Rathauseingang. Jedermann soll ungehindert Zugang zu ihm haben.

„Gegenentwurf zu Berlusconi“

Europas grösstes Politmagazin, der Hamburger „Spiegel“ hat dem neuen Bürgermeister von Messina eine zweiseitige Reportage gewidmet. Accorinti, so schreibt Fiona Ehlers, die Italien-Korrespondentin des „Spiegel“ in der in der  letzten Septemberausgabe des Magazins, sei so etwas wie „der politische Gegenentwurf zu Berlusconi“. Dort der Lustmolch aus Arcore, der aus höchst persönlichen Interessen in die Politik ging, hier in Messina der Vorkämpfer der Anti-Mafia-Bewegung, ein Junggeselle,  der mit seiner Mutter immer  noch in dem Haus wohnt, in dem  er vor 59 Jahren geboren wurde.

Gegen Vetternwirtschaft und Politikverdrossenheit

Der gerne barfuss gehende Bürgermeister sieht mit seinem von Wind und Sonne gegerbten Gesicht, den dichten Haaren und dem  angegrauten Bart genau so aus wie man sich einen sizilianischen Fischer gerne vorstellt. Und Accorinti ist ein Mann des Volkes geblieben – und das Volk jubelt ihm zu. Er kandidierte als Spitzenmann einer bürgerlichen Liste, die sich das Motto „Cambiamo Messina dal Basso“ („Lasst uns Messina von unten verändern“) auf die Fahnen geschrieben hat. Inzwischen arbeitet Accorinti täglich bis zu 14 Stunden. Im Zentrum seiner Arbeit steht der Kampf gegen verkrustete Strukturen,   die Mafia (die in Sizilien Cosa Nostra heisst),  gegen Vetternwirtschaft und Politikverdrossenheit.

Gegen das Brückenmonster

Um der Bürgerschaft klar zu machen, was für eine Monsterbrücke von der Berlusconi-Partei geplant ist, hatte Accorinti als Matador der Bewegung „No al Ponte“ („Nein zur Brücke“) in 220 Meter Höhe ein Transparent entfaltet. Dafür war er bei stürmischem Wetter auf die Spitze eines riesigen Strommasts geklettert. Doch der neue Bürgermeister ist alles andere als ein notorischer Nein-Sager.

Für eine bessere Fährverbindung zum Festland

Auch Accorinti  will  die Verbindung  zum Festland verbessern. Aber nicht durch ein mehrere Milliarden teures Brückenbauwerk mit Weltrekordausmassen, sondern durch eine erweiterte Fährverbindung, die Messina mit der 200.000-Einwohnerstadt Reggio Calabria besser zusammen bringt, schliesslich wird auf dem klimatisch und kulturell gesegneten Sizilien in den Tourismus, in Hotels und Ferienwohnungen weiter investiert. Die neue, wesentlich leistungsfähiger geplante  Fährverbindung soll, im Gegensatz zur bestehenden Verbindung nach Villa San Gioivanni, von der Kommune betrieben werden.

Ein Gedanke zu „Der erste barfüssige Bürgermeister Siziliens

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