Palermo ruft auf zur Hunde-Adoption

lega-del-canePalermo (gro) Die „Lega del Cane“ („Verband der Hundefreunde“) hat für den 6. November in Palermo einen „Tag der Hunde-Adoption“ ausgerufen. Denn das zentrale Hundeasyl der Inselhauptstadt muss dringend saniert und ausgebaut werden. Die Arbeiten werden nach den vorliegenden Planungen etwa 18 Monate dauern. Während dieser Zeit steht im Tierasyl nur ein Bruchteil der Heimplätze zur Verfügung. In Zahlen bedeutet das:  Ab Januar 2017 ist dort für eineinhalb Jahre nur Platz für maximal 40 statt für 250 herrenlose Hunde. In Palermo leben über 10.000 dieser speziellen  Vierbeiner. Sie steuern damit etwa 1 Prozent der Bevölkerung bei. Palermos herrenlose Hunde sind ein Phänomen für Verhaltensforscher. Das Magazin der Römer „Repubblica“ widmete den Hunden von Palermo schon vor zwei Jahren eine mehrseitige Reportage. 

„Ich schau‘ dir in die Augen, Mensch“

Palermos Hunde, deren Verhalten allgemein als zurückhaltend und nachgerade würdevoll empfunden wird, haben sich der menschlichen Gesellschaft ihrer Stadt sehr gut angepasst. Aggressives Betteln ist  streng verpönt. Unsere „amici dei quattro zampe“ von Palermo, sagt Gabriele Marchese, bei der Kommune unter anderem verantwortlich  fürs palermitanische Hundewesen, verstünden sich jedenfalls hervorragend aufs distanzierte, aber nicht weniger nachdrücklich auffordernde  In-die-Augen-Schauen. Der teilweise massive, vielfach hektische Verkehr der Millionenstadt wird, wie jederzeit zu beobachten ist,  von den Hunden genau beobachtet und beim Überqueren von breiten, mehrspurigen Strassen mit grosser Umsicht gemeistert. Oft wird dabei ein grosser, erfahrener Rüde vorausgeschickt, der Lücken im Verkehrsfluss schnell erkennt und seine Nachfolgerinnen und Nachfolger sicher über die Strasse lotst.

Morgens und nachts regelmässig  Futter

Bei über 10.000 herrenlosen Hunden ist ein Asyl für 250 Hunde, so sollte man zumindest beim ersten Nachdenken finden, kaum mehr als  ein Tropfen auf den heissen Stein. hundasylAnderseits haben etliche dieser Hunde eine zumindest lose Bindung an die menschliche Gesellschaft. Zum Beispiel an eine der vielen  hundert Kneipen und an etliche Restaurants der Stadt, die sie nachts mit grosser Aufmerksamkeit  bewachen und dafür mit einer Mahlzeit am Morgen belohnt werden. Das subtropische Klima sorgt dafür, dass die Vierbeiner das ganze Jahr über ohne Schaden im Freien übernachten können. Hinzu kommt, dass sich  etliche Privatpersonen, meist ältere Frauen, aber auch betagte Männer, eine gewisse, im allgemeinen fest umrissene Schar von Hunden dadurch lose halten, dass sie ihnen an einer bestimmten Stelle  zu später Stunde die Reste des Tages, eventuell angereichert mit ein paar besonders nahrhaften Zutaten, einigermassen regelmässig servieren.

Das Asyl lebt vor allem von privaten Spenden

Das Hundeasyl der Italien-weit tätigen „Lega per la difesa del Cane“, Sektion Palermo, dient in erster Linie hilfsbedürftigen Vierbeinern, hochschwangeren Hündinnen oder kranken, verletzten und neu geborenen Tieren.  Etwa 100 Menschen arbeiten dort, 40 davon in nudi-animali2festen Arbeitsverhältnissen, auch ein grosser Teil der dort tätigen Tierärzte ist ehrenamtlich beschäftigt. Der Jahresetat, der bei insgesamt 100.000 Euro liegt, wird hauptsächlich durch private Spenden aufgebracht, ferner durch Einnahmen aus Aktionen der Sektion Palermo. Dazu zählt dieses Jahr das Projekt „Nackt aus Liebe“. Es ist die  Herstellung eines Kalenders für 2017, dessen einzelne Monatsseiten Fotografien von freiwilligen Mitarbeitern des Hundeasyls im Adamskostüm zeigen, alle, Männlein wie Weiblein,  bei der Arbeit mit den Tieren. Es sind vergleichsweise züchtige Bilder, die für lebhaften Zuspruch sorgen. Bei Vorverkaufsaktionen sind bereits mehrere hundert Exemplare dieser Kalender gezeichnet worden.

Die Zuflucht in der Grünen Lunge von Palermo

Etwas entlastet wird das zentrale Hundeasyl der Grossstadt Palermo durch  kleinere  Tierheime,  die auf Grundstücken errichtet wurden, die von der Justiz wegen erwiesener  Mafiazugehörigkeit ihrer früheren Eigentümer beschlagnahmt worden sind.

Auch das ist aber nur der berühmte (gewöhnlich schnell verdampfende) Tropfen auf den heissen Stein. Deutlich mehr verspricht man sich von der „Aktion Adoption“ am 6. November im Hunde-Asyl mitten im königlichen Park Favorita am Fusse des Monte Pellegrino. Der Park mit seinen 400 Hektaren Pinienwald, seinen Wiesen und immergrünen Sträuchern, wurde von Ferdinand IV. ab 1815 als Umgebung seiner Exilresidenz angelegt und bildet heute die Grüne Lunge zwischen dem Stadtgebiet und dem schon von Goethe besungenen Vorgebirge der einstigen Weltstadt Palermo.

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