Stolz auf  die Märkte von Palermo

ballaro2Palermo (gro) Der Ballarò war in diesen Herbsttagen des Jahres 2016 Schauplatz einer mehrtägigen Kunstaktion. Dabei ging es weniger um streng ästhetische Darstellungen als vielmehr um ein lebhaftes Bekenntnis. Es waren Strassenkünstler, die sich im  Albergheria-Quartier, einem Herzstück der Palermitanischen Altstadt, temperamentvoll austobten. Mit ihren spontan gesprühten Bildern (unsere Reproduktion einer Zeitungsseite des „Giornale di Sicilia“), mit akrobatischen Vorführungen und theatralischen Interventionen erzählten die Künstler vom Stolz der Menschen, vom Stolz  auf  „ihre“  Stadt, von der Vitalität  Palermos, die sich nicht zuletzt im lebendigen Marktleben zeigt.

Der älteste Markt von Palermo?

Der Ballarò, der wie die meisten anderen Märkte jeden Werktag stattfindet, so hört  man zwischen der piazza Casa Professa am Corso Tuckory und der Porta St. Agata, sei der älteste Markt von Palermo. Diesen Anspruch hatte einst die Vucciria nahe der via Roma geltend gemacht. Doch der Streit hat sich erledigt, weil die Vucciria wegen eines missglückten Stadtsanierungsprojektes  nur noch ein trauriges Schattendasein fristet. Auch das „Shanghai“, die sagenhafte Trattoria, geführt vom ebenso sagenhaften Benedetto Basile, von der aus Renato Guttuso den Markt auf der piazza Caracciolo gemalt hat, ist inzwischen geschlossen.

Der Bauch der Altstadt

Umso mehr strotzt der Ballarò vor Vitalität. Er ist so etwas wie der „Bauch (der Altstadt) von Palermo“ Und in der Tat bekommt man etwa Fische nirgends sonst so frisch und günstig wie auf dem Ballarò. Das Gemüse- und Früchteangebot ist ebenfalls überwältigend. Das Gleiche gilt, logischerweise,  für die Präsenz der Metzger und der anderen Anbieter, die um die Versorgung der Altstadtbewohner besorgt sind und damit ihr Geschäft machen möchten.

Grosse Supermärkte sind (noch) die Ausnahme

Märkte wie der  Ballarò sind nicht bloss Einkaufszentren, sondern auch beliebte Treffpunkte für die Bewohner der Altstadt. Das hat in Italien eine bis in die heutige Zeit massgeblich hineinwirkende Tradition, vor allem im Süden des Landes, wo das gute  Wetter das normale  Wetter ist. Ganz nebenher  sind Siziliens Märkte unter freiem Himmel auch funktionierende Schulen der Integration. Hier treffen sich wie kaum sonst irgendwo Einheimische mit Schwarz-  und  Nordafrikanern, da ist der Kneipenwirt ein Pakistani, der Figaro ein Sudanese, der Tuchhändler ein Chinese  und der Mann an der Kasse der Espressobar ein Inder.  Grosse Supermärkte sind im historischen Zentrum von Palermo immer noch die Ausnahme. Dazu gehört die Firma Lidl, die in der via Roma vor gut einem Jahr einen grossen, supermodernen Laden eröffnet hat, der auch am Sonntag seine Dienste anbietet. So frisch wie die Fische auf dem Ballarò werden sie aber kaum je bei Lidl sein können, auch nicht am Sonntag.

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