Schildkröten suchen neue Laichgebiete

TartarugeTrapani/Ragusa (gro) Die vom Aussterben bedrohten Wasserschildkröten des Mittelmeeres sind offenbar auf der Suche nach neuen Laichgebieten. Darauf deuten Beobachtungen an der Südküste Siziliens hin. Rund 40 Schildkrötenbabys dieser Spezies wurden dieser Tage am Strand von Campobella di Mazara, etwa 75 Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Trapani gesichtet.  Auch in der Provinz Ragusa, knapp 200 Kilometer weiter südöstlich, ist eine neugeborene Wasserschildkröte gesehen worden;  dazu wurde ein Muttertier beobachtet, das am Strand von Focallo di Ispica Eier abgelegt hat, aus denen sich in einigen Monaten Nachwuchs heraus schälen sollte.

Bisher  ist es vor allem ein Strand auf Lampedusa

Bis jetzt ist es vor allem ein Strand auf Lampedusa, der sich als Laichplatz von Wasserschildkröten einen internationalen Namen gemacht hat: der Strand auf der Südseite der Insel, dem die kleine  „Isola dei  Conigli“  (die „Kanincheninsel“) vorgelagert ist.  Es handelt  sich um einen feinsandigen Streifen mit kristallklarem, blaugrün schimmerndem  Wasser und einer etwa 25 Meter hohen, zerfurchten  Felswand im Rücken. Es ist einer der schönsten Strände des Mittelmeers, der Vergleiche mit der Karibik keineswegs scheuen muss. Während der Ei-Ablagen ist der Strand, der von Naturschützern beobachtet wird, wochenlang für Badende und Sonnenanbeterinnen und Sonnenanbeter nur eingeschränkt zu benutzen.

Lampedusa ist geologisch schon Afrika

Die Insel Lampedusa, seit Jahrzehnten ein Sehnsuchtsziel  von Milanesen, Römern und Palermitanern, gehört mit ihrer bezaubernden Nachbarinsel Linosa verwaltungstechnisch zwar zur Provinz Agrigento. Doch dorthin sind es fast 250 Kilometer übers Meer. Seit 20 Jahren wird Lampedusa von Flüchtlingen aus Nordafrika, beziehungsweise von deren Schleppern, ins Visier genommen.  Denn von der libyschen Nordküste aus ist es nicht viel weiter nach Lampedusa als von dort nach Porto Empedocle, der Hafenstadt von Agrigento. Und nur 70 Kilometer sind es von Mhadia in Tunesien. Nirgendwo im mittleren Osten des Mittelmeeres liegt Europa näher.  Die flache Felseninsel Lampedusa gehört bereits zum Festlandsockel des afrikanischen Kontinents.

Ursache der Schildkrötenwanderung noch unklar

Die Umdisponierung der Wasserschildkröten gibt vorerst  Rätsel auf. Warum  seit Jahrhunderten bekannte Laichplätze aufgegeben werden, gibt deswegen Anlass zu allerlei Spekulationen.  Zum einen wird dafür die zunehmende Beliebtheit der Insel Lampedusa als Feriendestination – immerhin der südlichste Aussenposten der Republik Italien – ins Feld geführt. Ausserdem heisst es, die anhaltende Anlandung von Flüchtlingsbooten störe womöglich die eierlegwilligen Wasserschildkröt(inn)en  bei ihren Fortpflanzungsbemühungen.  Egal, die Wasserschildkröten werden weiter nach Sizilien kommen: Entweder weiter westlich oder weiter östlich, auf alle Fälle aber an die Südküste der grössten Insel des Mittelmeers. (Bild: wikipedia)

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