Palermo (gro) Giuseppe Garibaldi und seine tausend Freischärler – der Abenteurer, der mit seinem bunten Haufen von Sizilien her die damaligen Herrschaften aus Süditalien vertrieb und vor 164 Jahren die Einigung Italiens einleitete, bleibt unvergessen. Das garantiert schon sein Konterfei auf italienischen 2-Euro-Münzen. im Februar 2014 ist es ein Puppenspieler, der zusätzlich dafür sorgt, dass in lebendiger Erinnerung bleibt, was im Mai 1860 geschah, nachdem Garibaldi an der Südküste der Insel, in Marsala, gelandet war, um mit seinen Getreuen Italien sozusagen von unten her aufzurollen. „O Palermo o l’inferno“ („Entweder Palermo oder die Hölle“) heisst das Drama nach der Parole Garibaldis, das Mimmo Cuticchio für seine Puppen und für sich geschrieben hat und nun im Teatro Biondi in der Via Roma für ein begeistertes Palermitaner Publikum aufführt.
Der letzte echte Pupparo der Insel
Mimmo Cuticchio dürfte der letzte grosse Pupparo Siziiens sei. Einst war es ein ganzer Familien clan, der in Palermo das Spiel mit den gut 20 Kilogramm schweren, an Eisenstangen und Seilen hängenden und mit Rüstungen bewehrten Holzpuppen über Generationen hinweg pflegte. Es gab mehrere solche Familien in Palermo, auch in Messina und Syrakus. Die Puppari waren nicht nur Spieler, sondern auch Handwerker und Schausteller. Sie stellten ihre Puppen selber her und sorgten für abenteuerliche, von schauerlicher Drehorgelmusik begleitete Spektakel, bei denen manch böser Muselmane von tapferen Normannen in (Holz)Stücke gehauen wurde. Mimmo Cuticchio, der auch Drehbücher schreibt und in meist sozialkritischen Filmen als Schauspieler mitwirkt, hat das Puppenspiel, das sonst nur noch folkloristischen Charakter hat, modernisiert und weiter entwickelt.
Garibaldis siegreicher Marsch durch das Hochland der Insel
Mit seinem neuesten Stück und mit zauberhaften, zartgliedrigen Marionetten schildert Mimmo Cuticchio im Teatro Biondi, wie Garibaldi die über 160 Kilometer von Marsala über das Hochland Siziliens Richtung Palermo zieht und die Übermacht der spanischen Bourbonen mit seinen Freischärlern vernichtend schlägt. Der besondere Zauber des Stückes liegt darin, dass es diesmal nicht zum üblichen Hauen und Stechen der Puppi kommt, sondern dass das Geschehen im teilweise sehr nachdenklichen Dialog zwischen Cuticchio und seinen Puppen dem Publikum nahe gebracht wird.