Palermo (gro) Es gibt keine Stadt auf der Welt, die mit einer derart abwechsungsreichen Speisekarte aufwartet wie Palermo. In den weit über 1000 Restaurants, Trattorien, Osterien und Garküchen der Inselhauptstadt wird arabisch und chinesisch, französisch und indonesisch, mexikanisch, deutsch, afghanisch, südsudanesisch, japanisch und/oder indisch gekocht – und häufig auch echt sizilianisch. Wobei gerade die Vielfalt des Angebots typisch ist für Sizilien, für die Insel, die seit 3000 Jahren im Schnittpunkt der grossen Kulturströmungen liegt. Aber wo ist das Speisen am schönsten? Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Zu zahlreich sind die Möglichkeiten.
Die Kirche, die vorübergehend zum Postamt wurde
Zu den Lage-Favoriten von Palermo-Kennern gehört das Ristorante (oder die Pizzeria) “Bellini” auf der gleichnamigen Piazza im Zentrum der Stadt , nahe den Quatro Canti. Viele Sizilien-Fans halten das “Bellini” für das schönstgelegene Lokal der Altstadt. Kein Wunder: links (in Richtung auf die vorbeiführende via Maqueda geschaut) die von byzantinischen Künstlern ausgestattete Martorana aus dem 12. Jahrhundert mit dem Goldmosaik von 1150, auf dem Christus (!) den Normannen Roger II. von Hauteville zum König von Sizilien krönt, rechts die Rückseite des von teilweise finsteren Mythen umwobenen Rathauses von Palermo, des „Palazzo delle Aquile“ (des „Palastes der Adler“, früher Palazzo Pretorio), in dem „alles zu Ende kommt“ , und, etwas abgerückt im Hintergrund, die Portalseite der Kirche Santa Catarina di Alessandria. Über die via Maqueda hinweg fällt der Blick auf die Universität und auf die im Inneren überwältigend prächtige Chiesa Giuseppe dei Teatini. Hinzu kommt, nun wieder links vom “Bellini”, ein Kleinod namens San Cataldo, ein von arabischen Baumeistern errichteter Kirchenbau im arabisch-normannischen Stil, wie er nur in Sizilien anzutreffen ist: mit leuchtend roten (“arabischen”) Kuppeln über einem beeindruckend schlichten Kreuzgewölbe aus unverputzen Kalksteinquadern. Zum Schicksal dieser wunderschönen kleinen Kirche aus dem Mittelalter gehört allerdings auch, dass sie während des vergangenen Jahrhunderts etliche Jahrzehnte lang ein Postamt beherbergte.
Im Zweifel mittags lieber zu “Pia Zia”
Will man sich als so genannter Zugereister mit “eingeborenen” Freunden aus Palermo-Mitte tagsüber zum Essen verabreden, hat das “Bellini” wenig Chancen. Dann schon eher das „Zia Pina“, ein Lokal in der via dei Cartari (der „Strasse der Papiermacher“). “Zia Pina” ist sowieso nur zum Mittagessen (das sich allerdings gerne bis 15 Uhr hinziehen darf) geöffnet. Dafür allerdings ist diese Osteria im Bannkreis der „alten“ Vucciria nördlich der via Roma (Richtung Meer/La Cala) gelegen, eine echte Entdeckung. Im Grunde ist es eine grosse, weiss gekachelte Küche, die sich bis auf die Strasse hinaus ausbreitet. Die Gäste können der Wirtin und ihren Gehilfen beim Kochen zuschauen. Man sollte jedoch grundlegende Sprachkenntnisse oder wenigstens handgesteuerte Kommunikationstechniken mitbringen. Dann aber steht einer üppigen, lukullisch bemerkenswerten Mahlzeit zu sehr volkstümlichen Preisen, samt ordentlich ausgebauten Weinen aus sizilianischen Landen, nichts entgegen. Reporter aus Auckland fanden das “Zia Pina” so gut und so interessant, dass sie in Beiträgen fürs neuseeländische Fernsehens auf der anderen Seite des Erdballs gleich mehrfach berichteten.