Milano/Modica (gro) Schokolade aus dem Südosten Siziliens triumphiert auf der Weltausstellung in Mailand. Die Köstlichkeit aus Modica hängt ihre Konkurrenz aus Turin und Perugia eindrucksvoll ab. Dies zeigt eine letzte Zwischenbilanz. Mit Handelsabschlüssen über 270.000 Euro heimsten die Modicani bisher fast die Hälfte der auf der Messe vereinbarten Verträge ein. Die Konkurrenz aus Perugia verkaufte Schokolade für 170.000, die Turiner Schokoladenmacher für 140.000 Euro. Bis zum Ende der Messe, die am 1. Mai eröffnet wurde und am 31. Oktober schliesst, werden noch etliche Abschlüsse hinzu kommen. Thema der Messe ist die Welternährung, der Planet Erde als Grundlage des Lebens.
„Energie für das Leben“
„Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“, so lautet das offizielle Motto der Expo 2015 in Mailand. Dazu gehört, natürlich, die Schokolade. Ja, es gibt auf der Expo einen eigenen „Schokoladen-Cluster“. Die grössten Schokoladen-Händler mit eigenen Produktionsstätten sind Weltkonzerne wie die 1903 in Chicago gegründete Kraft Foods (unter anderem Mars/Suchard/Milka und Toblerone) oder die britisch-niederländische Unilever, ferner Schweizer Spezialisten wie Lindt (und Sprüngli), Frey oder Camille Boche. Der zuletzt genannte (und wohl auch letzte, unabhängige, grössere) Schweizer Schoko-Familienbetrieb hat sich für eine seiner Hauptlinien nicht von ungefähr “Ragusa” ausgesucht.
Altbewährte Geschmackssensationen
Sei’s drum, für den nachhaltigen, weltweiten Erfolg von Schokolade sorgen anscheinend vor allem zahlreiche Kleinproduzenten, die mit Fantasie, kulinarischer Hingabe und wagemutiger Kreativität immer neue Köstlichkeiten hervor bringen, ohne altbewährte Geschmackssensationen aufzugeben. Die Schokoladenmacher von Modica gehören dazu. Giuseppe Scala, Kommissar der Expo Mailand, hat das in diesen Tagen lebhaft bestätigt.
Fast zwei Dutzend Schokolade-Produzenten
Der Erfolg „Modicanischer“ Schokolade war ein „Rekord mit Ansage“. Prophezeiht hatte ihn Ignazio Abbate, der Bürgermeister von Modica (rechts, mit Microphon) bereits vor einigen Monaten in einem TV-Interview (in „Ditelo Rgs“). Er sei absolut davon überzeugt, sagte Bürgermeister Abbate, dass die ganz besondere Qualität der Schokolade aus Modica auf der Weltausstellung “tiefe Spuren” hinterlassen werde. Abbate vertrat in diesem Moment fast zwei Dutzend Schokolade-Produzenten aus Modica und Umgebung.
Sogar mit Rindfleisch kombiniert
Iganzio Abbate ist überzeugt davon, dass es neben dem unternehmerischen Fleiss vor allem die Kreativität der Modicaner Schokolatiers ist, die den Köstlichkeiten aus dem Südosten Siziliens die nachhaltige, ja steigende, weltweite Nachfrage sichert. Übrigens: Nirgendwo sonst ausser in Modica wird feinste Schokolade für eine ganz besondere Spezialität auch mit würzigem Rindfleisch verarbeitet! Gepriesen wird ferner die Qualität von Nougat aus Modica, wo mit der „Antica Dolceria Bonajuto“ eine der elitärsten Pasticcerien Italiens ihr Geschäft hat (gegenüber der Kirche San Pietro, was nur schweren Herzens verraten werden kann, am Corso Umberto).
Barockstadt mit vorzüglicher Gastronomie
Modica ist eines der wunderschönen Barockstädtchen im Südosten Siziliens (im Val di Noto), der zu einem grossen Teil als Welterbe unter dem Schutz der Unesco steht. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist die Kirche San Giorgio in der Oberstadt von Modica. Kein Wunder, dass sich der lebendige Badevorort Marina di Modica mit seinen herrlichen Stränden fast das ganze Jahr über steigenden Zuspruchs erfreut. Diskutieren und verarbeiten lässt sich eine Stadtbesichtigung von Modica am besten in der „Osteria dei Sapori Perduti“ (Corso Umberto).
Ferienhäuser und ein neuer Flughafen für den Südosten
In der Umgebung von Modica und Ragusa (die barocke Provinzhauptstadt Ragusa liegt nur 15 Kilometer entfernt) hat das Angebot an Ferienwohnungen und Ferienvillen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Dies dürfte auch daran liegen, dass im nahen Comiso seit drei Jahren ein neuer Flughafen zur Verfügung steht, der den Südosten Siziliens mit seinen grossen, wunderschönen Stränden, seiner gastfreundlichen Struktur und reichen Kultur preiswert mit der Mitte des Kontinents und dem Norden Europas verbindet.