Totenbeine,  Mandeln und der Feuerberg

Randazzo_cattedralRandazzo (gro) Die Stadt Randazzo am Nordhang des Ätna, fast 800 Meter hoch gelegen, knapp 11.000 Einwohner stark und Sitz eines Bischofs, ist die Vulkanstadt Siziliens schlechthin.  Das dürfte nicht zuletzt an ihrer „Chiesa Madre“,  an der Kathedrale Di Santa Maria liegen, die aus dunklen Lavasteinen  erbaut worden ist.

Mit ihren hellen Kalksteinrandungen ist sie ein  dekorativer Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert.  Irdische Genüsse sind heutzutage  jedoch  nicht weit:  Am Platz vor der  Kirche wartet Konditormeister   Santo Musumeci  mit „gezuckerten Totenbeinen“ und Mandelkonfekt auf. Randazzo ist von Catania und Taormina aus, und auch von umliegenden Gemeinden, mit dem eigenen Auto,  mit Bussen und vor allem der Circumetnea-Bahn bequem,  preisgünstig  zu erreichen. 

Dreierlei  Christen

Bis Mitte des 16. Jahrhunderts hat es in Randazzo drei christliche Gemeinden gegeben: eine griechisch-orthodoxe Gemeinde (die nach 1300  von Flüchtlingen aus dem heutigen Albanien gegründet wurde), eine lateinische und eine lombardische Gemeinde (die sich dem Heiligen Ambrosius besonders verbunden fühlte).  Im historischen Stadtzentrum findet man deshalb drei  Pfarrkirchen:  Die schon erwähnte (lateinische) Chiesa Madre, die (griechische) Chiesa die San Nicolo und die (lombardische) Chiesa di San Martino.  Letztere hat laut „Baedeker“ einen „eleganten Campanile mit Zwillings- und Drillingsfenstern“.

Nicht weit vom Hauptkrater  des grössten Vulkans

Der Ätna ist der höchste ,  grösste, der gewaltigste  und aktivste Vulkan des europäischen Kontinents.  Und Randazzo liegt nur 15 Kilometer entfernt  vom Hauptkrater des Feuerbergs.  Trotzdem hat das Städtchen  alle Ausbrüche des Ätnas der vergangenen Jahrhunderte, wenn teilweise auch nur haarscharf, überstanden. Kein Wunder, dass die Randazzesi   davon überzeugt sind, dass der respektvolle Umgang mit der Natur wesentlich dazu beiträgt, von deren  Gewaltausbrüchen verschont zu werden.

Mit Wein und Käse den Lavastrom begrüsst

Typisch für die Haltung der Randazzesi ist, dass ein Landwirt bei Randazzo vor wenigen Jahren einen anscheinend  unaufhaltsam herannahenden Lavastrom  nicht etwa verfluchte, sondern mit einem weiss gedeckten Tisch, darauf eine halbe Flasche Rotwein sowie  Brot und Käse,  willkommen hiess.  Und siehe da:  Der Lavastrom  erstarrte 24 Meter vor dem freundlich gedeckten Tischchen und verschonte – wieder einmal – Randazzo,  das wunderschöne Städtchen am Nordhang des Ätna.

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