Viel Sonne, warm und selten Regen

Palermo (gro) Das sizilianische Klima ist typisch subtropisch. Das bedeutet, dass es lange trockene Sommer und milde Winterzeiten gibt, wobei wir Nordländer die kühlen Monate eher als halbwegs sonnige Herbst-  oder Frühlingsmonate  empfinden dürften.   Die Klimatabelle für die Inselhauptstadt Palermo verzeichnet eine durchschnittliche Jahrestemperatur von knapp 18 Grad Celsius. Das heisst, dass es dort ungefähr doppelt so warm ist wie in Mitteleuropa. Und während bei uns im Januar die langjährige Durchschnittstemperatur bei -0,5 Grad liegt, beträgt sie in der  Conca d’Oro um Palermo mehr als 10 Grad Celsius. Wobei angemerkt sei, dass das Thermometer  sowohl um Weihnachten herum als auch in der letzten Januarwoche tagsüber häufig auf über 20 Grad klettert, was nicht nur an der Sonne, sondern auch am gelegentlich auftretenden Scirocco (sprich: Schirócko) liegt. Schliesslich sollte man auch daran denken, dass die Klimatabellen  Monatsmittelwerte angeben. 

Tabelle palermo

Der Scirocco kommt mit heisser Luft und feinem Sand

Der Scirocco, der im sizilianischen Winter die Temperaturen nach oben treibt, kann auch im frühen Sommer  und im Herbst wehen. Er ist ein kräftiger, ja manchmal stürmischer Wind, der sich durch heisse Luftströmungen über der Sahara herausbildet  und deswegen gelegentlich auch feinen Sand mit sich führt. An Regen fällt in Sizilien jedes Jahr ein Quantum von gut 400 Millimetern, etwa halb so viel wie in der Schweiz oder in Deutschland. Hinzu kommt, dass es auf der Mittelmeerinsel – nach dem Motto „wenn schon, denn schon“ –  meistens wesentlich kräftiger regnet als bei uns. Dies wiederum bedeutet, dass die Regenzeiten insgesamt wesentlich kürzer ausfallen. Dass es in Sizilien mal mehr als drei Tage ununterbrochen regnet, ist zwar möglich, kommt aber nur alle paar Jahre, also recht selten vor.

Wenn es im Frühjahr blüht und duftet

Für viele Sizilienkenner ist es von Mitte April, im Mai und  bis Mitte Juni am schönsten auf der Insel. Das ist die Zeit, da sie ergrünt und erblüht. Gerade das Inselinnere ist dann ein buntes, würzig duftendes Land, das stellenweise geradezu paradiesische Qualitäten entwickelt. Und die vorgelagerten, kleinen Inseln, die Liparen und Ustica vor der Nordküste oder die Egadischen Inseln im Westen vor Trapani sind dann für einen besonders erholsamen Aufenthalt zu empfehlen. Kein Wunder, dass Schweizer, Österreicher und Deutsche immer häufiger nicht nur die österliche Zeit, sondern auch die Pfingstfeiertage und die schulfreien Tage dieser Zeit für Ferien in Sizilien nutzen.

An einer Küste ist’s immer sonnig

Sizilien ist ungefähr so gross wie Bayern. Es ist aber wesentlich vielgestaltiger als der deutsche Freistaat zwischen Zugspitze und Main, und an einer Küste (oder im Inneren Siziliens) scheint immer die Sonne.  So ist zum Beispiel Messina die Stadt, in der es am meisten regnet, während das ebenfalls an der Ostküste, aber etwa 80 Kilometer weiter südlich  gelegene Catania (im Windschatten des Ätna) den geringsten Niederschlag aller sizilianischen Grossstädte zu verzeichnen hat. So kommt es, dass viele Sizilianer und auch touristische Freunde der Insel den Monat November als den schönsten Monat des Jahres rühmen – vorausgesetzt  man erlebt ihn in Catania.  Nirgendwo sonst in Sizilien hat der November nur fünf Regentage, aber täglich mindestens fünf Stunden Sonnenschein. Wobei, nebenbei gesagt,  schon ein zweistündiger ununterbrochener Niederschlag genügt, um einen Tag zum Regentag zu machen.

hönizier, Griechen, Römer, Byzentiner, Araber und Normannen

Die ersten grossen Sizilienreisenden,  meist Adelige oder wohlhabende Industrielle, die sich vor gut 150 Jahren vor allem in Taormina und an der  Ostküste aufhielten und dort ihr Arkadien fanden, bevölkerten die Sonneninsel im äussersten Süden Europas hauptsächlich in den Wintermonaten. Tatsächlich ist Sizilien zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Das liegt in erster Linie daran, dass die Insel ein unerhörtes kulturelles Erbe zu bieten hat. Die Zeugnisse einer über 3000-jährigen Kulturgeschichte sind nirgendwo auf der Welt so vielfältig und so gut erhalten wie auf dieser Insel im Schnittpunkt phönizischer, christlicher und arabischer Manifestationen und Strömungen. Die kulturelle Pracht reicht von Befestigungen der Karthager über griechische Tempelanlagen, römische Freilufttheater und  arabische Jagdschlösser bis zu normannischen Palästen,  byzantinischen Kathedralen  und bis zum Sizilianischen Barock, der im Val di Noto von der UNESCO als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt worden ist. Hinzu kommen spektakuläre Projekte,  die  Künstler des 20. Jahrhunderts in Westsizilien verwirklichten, an den Stellen von verlassenen Kleinstädten, die in der 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts  von Erdbeben  zerstört worden sind.

Ein Blick in die Tageszeitung lohnt sich

Manchmal, etwa vor allfälligen Ausflügen ins Innere Siziiens,  auf vorgelagerte oder weiter entfernte Inseln sollte man die Wetterentwicklung kennen. In diesen Fällen erhält man die zuverlässigsten Informationen aus den Tageszeitungen („Giornale di Sicilia“, „La Repubblica“ und „La Sicilia“). In diesen Blättern finden sich auch die Abfahrts- und Ankunftszeiten von Passagierschiffen und Autofähren (unter anderem nach Tunis, Neapel, Calgari, Pantelleria, Lipari, Ustica, Favignana/Levenzo/Marettimo, Civitavecchia  und  Genua), ferner Infos zu Zügen, zu Überland-Busverbindungen und zu Flügen.

Baden bis anfangs Dezember

Auch wenn’s sehr warm ist, im Juni/Juli, im August und September, lässt es sich in Sizilien höchst angenehm leben. Man muss halt schauen, möglichst nahe am Meer eine Ferienwohnung oder eine Ferienvilla zu nutzen, wo auch an heissesten Augusttagen ein kühles Lüftchen weht, während die Wassertemperaturen bis auf 26 Grad steigen. Die Badewassertemperaturen halten sich bis Ende Oktober/Anfang November bei 20 Grad, und halbwegs hartgesottene Schwimmer gehen in Sizilien auch an  Weihnachten  noch ins Wasser, um eine Runde zu paddeln. Im Januar, Februar und März ist das Meer aber definitiv zu kühl fürs Baden. Es sei denn, man macht einen Abstecher auf die Pelagischen Inseln, etwa nach Lampedusa, wo man es sich an einem sonnigen Tag auch im Februar nicht nehmen lassen sollte, im afrikanischen Meer vor der Isola dei Conigli, dem wunderschönen Strand auf der Südseite Lampedusas, ein  erfrischendes Bad zu nehmen.

Nur 70 Kilometer bis an Tunesiens Ostküste

Die Insel Lampedusa, die trotz aller Hiobsbotschaften über das Flüchtlingselend an Europas Südgrenze jederzeit eine Reise wert ist,  gehört verwaltungstechnisch zur Provinz (zum Landkreis) Agrigento, liegt aber etwa 120 Kilometer südlicher als Tunis. Zur tunesischen Ostküste, etwa nach Mahdia  oder Sfax, sind es allerdings nur 69, beziehungsweise 79 Kilometer übers Meer.  Das macht die Insel so attraktiv für den Menschenschmuggel aus Afrika.

Siehe auch: Lampedusa

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